Muster des Commoning - Zusammenfassungen

Im Semester 19/20 hat die Kleingruppe "Lesekreis" der PW Commons das 2019 erschienene Buch von Silke Helfrich und David Bollier (Frei Fair und Lebendig - Die Macht der Commons) durchgewälzt. In dem Buch werden Muster des gemeinsamen Handels beschrieben. Diese dienen als Werkzeuge um unser soziales Miteinander, unsere Wirtschaftsweise und unsere Organisationsformen im Sinne der Commons zu gestalten. Wer keine Lust hat, das gesamte Kapitel über die Muster im Buch nachzulesen, findet hier unsere Zusammenfassungen. Wir konnten mit unseren Musterbeschreibungen auch einen kleinen Beitrag zu den fertigen Mustern im Federated Wiki leisten. Viel Spaß beim Lesen!

WAS SIND MUSTER DES COMMONING?

Jedes Commons entwickelt sich je nach Kontext und Zusammensetzung  individuell. Die Muster des Commonings versuchen jedoch in dieser  Vielfalt die Gemeinsamkeiten zu finden.
Der Begriff der Muster, von  dem hier die Rede ist, wurde von Christopher Alexander und Co-Autoren,  in seinem Buch "The Nature of Order" 1977 entwickelt. Demnach sind  Muster die Beschreibung von Problemen, die "in einer bestimmten Umgebung  immer wieder auftauch[en]" sowie die Beschreibung vom "Kern der Lösung  dieses Problems", wodurch diese Lösung in allen Kontexten anwendbar  wird.
Die Muster des Commonings helfen, indem sie den Kern von  Problemlösungen im Kontext des Commonings beschreiben, die Welt der  Commons sichtbarer machen.

TRIADE DES COMMONING

Im Buch wird von einer Triade des Commoning gesprochen. Es handel sich um 3 Felder, denen die Muster zugeordnet sind: Soziales Miteinander (Social Life), Selbstorganisation durch Gleichrangige (Peer-Governance) sowie Selbstbestimmtes und Fürsorgendes Wirtschaften (Provisioning). Wir möchten die ersten zwei Felder für euch zusammenfassen. Die Wirtschafts-Muster folgen.

Grafik aus dem Buch "Frei Fair & Lebendig"

MUSTER DES SOZIALEN MITEINANDERS

„Gemeinsame Absichten & Werte kultivieren“
Frage: Wie gelingt Euch eine gemeinsame Ausrichtung? Welche Rolle spielen Werte?

Commons  beginnen selten mit geteilten Werten und Absichten. Sie können  allmählich aus gemeinsamen Erfahrungen geschöpft und abgestimmt werden.  Neben der Frage: "Wo wollen wir hin?" gewinnt also auch die Frage "Was  haben wir?" an Bedeutung, denn sie  bezieht die Vielfalt der Gruppe mit  ein.  Diese Vielfalt zu akzeptieren ist eine wichtige Voraussetzung  für die Kultivierung gemeinsamer Absichten. Auch indem wir "Rituale des  Miteinanders etablieren" können sich geteilte Werte herausbilden.

Beispiele:
>  SoLaWis: die gemeinsame Absicht ist die Produktion und Konsumtion von  gesunden, lokalen und frischen Lebensmitteln. Um diese Absicht, und  damit einhergehend auch gemeinsame Werte, zu kultivieren werden beispielsweise Hoffeste gefeiert, wird gemeinsam auf dem Feld  gearbeitet, eine Rezeptsammlung angelegt oder Workshops zu Themen rund  um gesundes Essen und Verarbeitung von Gemüse organisiert.

„Rituale des Miteinanders etablieren“
Frage: Wie werden soziale Qualitäten erhalten? Gibt es Gepflogenheiten?

Regelmäßige,  allmählich selbstverständlich werdende Zusammenkünfte, stärken das Gefühl von Verbundenheit. Dabei werden Rituale nicht unbedingt vom Tätigsein getrennt. Wenn durch Zusammenarbeit entstehende Rollen aufgelockert werden, können individuelle soziale und freundschaftliche Qualitäten der Teilnehmenden sichtbarer werden. Dies kann durch das  Schaffen von Räumen für zwangloses Miteinander gelingen.

Beispiele:
> Morgenkreise, Reflexionen, Check-Ins
> gemeinsame Aktionen und Ausflüge unternehmen
> gemeinsame Arbeitseinsätze und Hoffeste in einer SoLaWi
> nach getaner Arbeit auch mal ausgelassen feiern  

„Ohne Zwänge beitragen“
Frage: Wie kommen die nötigen Beiträge - materieller und immaterieller Art - zusammen?

Beiträge in einem Commons erfolgen freiwillig oder  werden gemeinsam beschlossen und sind keine Reaktion auf äußeren Druck oder  Sanktionen. Dabei werden Leistungen nicht gegeneinander  aufgerechnet, sondern "Gegenseitigkeit behutsam ausgeübt". Es ist wichtig, zu verinnerlichen, dass nicht alle gleich viel beitragen  können. Die unterschiedlichen Kapazitäten transparent zu machen, hilft,  empfundene Fairness herzustellen.

Beispiele:
> materielle Beiträge: Pflegen und Teilen von Saatgut/Pflanzen in Gemeinschaften
>  immaterielle Beiträge: Wissen und Fertigkeiten z.B. durch Workshops für  andere anbieten (Rad reparieren, Makramee basteln, Fließen legen,  Kräuterwanderung u.v.m.)
> besondere zwischenmenschliche  Fähigkeiten und kleine, manchmal unsichtbare Handlungen der Care-Arbeit/  des Mental Load: Für gute Laune sorgen, an Geburtstage der Commoners  denken und erinnern, die Online-Ordnerstruktur pflegen, an Treffen  erinnern u.v.m. (siehe z.B. hier: https://dasnuf.de/aufgaben-wirklich-gleichberechtigt-teilen/).

„Gegenseitigkeit behutsam ausüben“
Frage: Wie wird  das Verhältnis von Geben und Nehmen gestaltet? Wie verliere ich die  Angst zu kurz zu kommen oder nicht genug zu leisten?

Die  unterschiedlichen Bedürfnisse aller Beteiligten werden als  gleichermaßen wichtig anerkannt. Wenn gleichzeitig genügend  Fähigkeiten zur Verfügung stehen, diese zu befriedigen, muss nicht mehr  genau ausgerechnet werden, wer wem etwas schuldet. Um sowohl einseitiges  Nehmen, als auch Geben zu vermeiden, ist eine transparente  Kommunikation unerlässlich.    

Beispiele:
> Bietrunde in  SoLaWis: finanzielle Mitgliederbeiträge werden je nach individuellen  Möglichkeiten untereinander ausgehandelt. Es wird ein Rahmen zur  Orientierung festgesetzt, in dem die Kosten für die Produktion gedeckt  sind.
> verpflichtender Arbeitsbeitrag in der Park Slope Food Coop  verhindert u.a. den "altruistischen Burnout". Welche Art von Arbeit  der/ die Einzelne dabei beiträgt, wird je nach Bedürfnissen, Fähigkeiten  und Wünschen entschieden.

„Situiertem Wissen vertrauen“
Frage: Gibt es bei  euch eine Wissensart, die dominiert? Wie wird sichergestellt und  überprüft, dass viele Formen des Wissens genutzt werden können?

Die  dominierende Wissensart unseres Kulturkreises ist der auf Fakten  basierte Rationalismus. „Wir wissen [aber] mehr, als wir zu sagen  wissen“ (Michael Polanyi, 1958). Ein großer Teil unseres Wissens bleibt  als "Weisheit" oder "Intuition" unausgesprochen, ist jedoch für unser  Tun und gelingende Problemlösungen unerlässlich.
Situiertes Wissen  ist von räumlichen oder sozialen Kontexten geprägt, folgt aus dem Tun  und der Erfahrung. Dadurch, dass wir Intuition und Gefühlen eine  gleichrangige Position gegenüber dominanten Wissenssystemen einräumen,  können wir unsere Sensibilität für Natur und Beziehungen  (re)aktivieren.

Beispiele:
> Subtile Ökosystemkenntnis von Indigenen
> Bergsteiger*innen können die Stabilität von Schneebrücken einschätzen
> Permakultur-Gestalter*innen betonen, wie notwendig es ist, gut zu beobachten um zu interagieren (https://permakultur.de/was-ist-permakultur/ethik-prinzipien/beobachte-interagiere/)
>  Transition-Town-Bewegung: "postfossile Welt mit Kopf, Herz und Hand  schaffen" (drei Wissensformen aus rationalem, emotionalen und Tun  gleichrangig nebeneinander)

„Naturverbundensein vertiefen“
Frage: Verstehen und erleben wir uns als Teil natürlicher Systeme? Wie gelingt uns das?

Heute  wird der Mensch oft getrennt von der Natur betrachtet. Die Aussage "die Natur wäre ohne die Menschen besser dran“ findet mehr und mehr  Zuspruch. Wir können als Menschen jedoch ein tieferes Naturverbundensein  wiedererlangen, indem wir uns als pflegenutzender und  lebensförderlichen Teil der Natur erfahren. Die Bezogenheit auf  natürliche Rhythmen, wie etwa die der Jahreszeiten, kann uns dabei  helfen.

Beispiele:
> Ansatz der Wildnispädagogik: Der Mensch muss einen emotionalen Bezug zur Natur haben, um sich als Teil dieser zu verstehen
> Permakultur Design Prinzipien
> Cradle to Cradle-Ansatz: Menschen nicht als Schädlinge, sondern als Nützlinge sehen (siehe hierzu ein Interview mit Michael Braungart)

„Konflikte beziehungswahrend bearbeiten“
Frage: Wie geht Ihr Konflikte an? Wie werden dabei zwischenmenschliche Beziehungen  gewahrt? Werden in diesem Rahmen auch Themen wie die kollektive  Mitverantwortung und/oder systemische Probleme reflektiert?

Um  Konflikte in Commoning-Prozessen zu lösen, bedarf es festen Regeln,  Normen und geschützten Räume, in denen Konflikte sichtbar gemacht werden  können. Durch eine Haltung der Offenheit, des Respekts und des  gegenseitigen Sorgetragens können Beziehungen verändert werden ohne sie  zu kappen. Im Idealfall werden Beschwerden über Einzelne in einen  Kontext der Wertschätzung eingebettet. Diese Art der Konfliktlösung  erfordert Übung.

Beispiele:
> Kreisgespräche der Kooperative Cecosesola (Venezuela) zur Reflexion von Konflikten. Unter anderem wird durch Wortwahl und  Umarmungen Wertschätzung geübt und Beziehung bewahrt
>  systemisches Coaching, Mediationen und Aufstellungen als Methoden  für einen solchen wertschätzenden Umgang in Konflikten
> Techniken der "Gewaltfreien Kommunikation" anwenden (hier findet ihr GFK-Material)

„Eigene Governance reflektieren“    
Frage:  Wodurch bleiben Regeln und Strukturen angemessen und wandlungsfähig?  Warum funktioniert unser Commoning-Prozess und was können wir daran  verbessern?

Die eigene Organisationsweise regelmäßig zu  reflektieren, quasi "von der Wolke hinabschauen", ist wichtig. Es beugt  Vereinnahmungen vor, ermöglicht Machtfragen zu thematisieren, kann  finanzielle bzw. institutionelle Abhängigkeiten offenlegen und  verringert das Risiko eines Commons zu scheitern. Commoning verändert  uns individuell und als Gemeinschaft, dies aktiv zu beobachten ist  elementar wichtig.

Beispiele:
> wiederkehrende Reflektionsworkshops mit Visualisierung der eigenen Strukturen
> Supervision und Coachings
> regelmäßig "Meta-Themen" auf die TO setzen

Grafik aus dem Buch "Frei Fair & Lebendig"

MUSTER DER SELBSTORGANISATION DURCH DURCHGLEICHRANGIGE (PEER-GOVERNANCE)

"Sich in Vielfalt gemeinsam ausrichten"
Frage: Wie bringt ihr Absichten & Werte zusammen?

Motivationen und Gründe, sich an einem Commons zu beteiligen, können anfänglich sehr unterschiedlich sein. Geteilte Absichten und Werte sind keine Grundvoraussetzung für die Entstehung von funktionierenden Commons. Eine Ethik des Gemeinsamen kann sich im Laufe des Prozesses durch geduldige Arbeit und den Respekt für die Individualität aller Beteiligten herausbilden und stetig erneuern. Die Vielfalt an Bedürfnissen und deren Perspektiven anzuerkennen und zu nutzen, kann eine Gruppe resilienter, d.h. weniger anfällig für Störungen machen.

Beispiel:
> Die Gründer*innen der Unitierra („de-institutionalisierte  Universität » in Mexiko) bemühen sich den ≫Schub aus dem Alltag und aus der Vergangenheit≪ zu nutzen, indem sie an die Erfahrungen und Motivationen aller anknüpfen.

"Commons mit halbdurchlässigen Membranen umgeben"
Frage: Gibt es Abgrenzungen, über die sich Commons schützen und identifizieren? Welcher Qualität sind sie?

Commons brauchen Schutz vor Einhegung, Vereinnahmung und Trittbrettfahrerei. Ihre Grenzen sollten nicht strikt ein Innen vom Außen abriegeln. Sie sind somit keine unverrückbaren Linien der Trennung, sondern eher Kontakträume mit Potenzial zur Inklusion. So werden die Beziehungen untereinander und zum Gemeingut geschützt und es kann gleichzeitig ein förderlicher Austausch mit anderen Commons und/oder Institutionen stattfinden.

Beispiel:
> Park Slope Food Coop: Um Trittbrettfahrerei zu verhindern, ist es nur Mitgliedern erlaubt, dort einzukaufen. Allerdings darf jede Person Mitglied werden, muss sich allerdings dabei der von der Mitgliedervollversammlung ausgearbeiteten Satzung verpflichten.

"Im Vertrauensraum transparent sein"
Frage: Wie ermöglicht ihr die Nachvollziehbarkeit eurer Handlungen? Wie entsteht tatsächliche Transparenz jenseits von offizieller Rechenschaftspflicht*?

Tatsächliche Transparenz kann nicht herbeiorganisiert werden. Sie entsteht nur dort, wo Vertrauen ist. Und umgekehrt. Für Transparenz sind daher nicht nur geeignete Strukturen und Verfahren wichtig, sondern Praktiken, die  Vertrauen stiften und stärken. Rationale Argumente finden dabei ebenso Gehör, wie das persönliche Empfinden. Eine Umgebung, die Vertrauen ermöglicht, trägt dazu bei, dass Menschen verlässliche Informationen – auch unangenehme – einbringen.

Beispiele:
> ...

* z.B. CSR-Berichte, Geschäftsberichte oder Nachhaltigkeitsberichte

"Wissen großzügig weitergeben"
Frage: Wie handhabt ihr Information, Kenntnisse, Code und Design? Was können wir der Patentierung & künstlichen Verknappung von Wissen entgegensetzen?

Die Art und Weise wie wir Wissen handhaben, trägt maßgeblich dazu bei, eine Commons-basierte Wirtschafts- und Lebensweise zu entwickeln. Wissen wird mehr, wenn Viele beitragen - dies steht im Gegensatz zur Patentierung von Wissen (--> geistiges Eigentum). Wissen zugänglich zu machen, erlaubt es Informationen an anderer Stelle als Handlungsanweisung zu nutzen, anzupassen und erneut zu verbreiten. Darüber hinaus ist die freie Wissensweitergabe innerhalb eines Commons Grundlage für gemeinstimmige Entscheidungen.

Beispiele:
> Leitfäden (z.B.: FoodCoop Leitfaden zur Gründung anderer Coops
> eigenes "Betriebssystem" online stellen (Linux)
> Open-Source-Baupläne online stellen & Mitmachbaustellen (z.B. Wikihouse)·       > > Bücher, Texte, etc. mit Creative Commons Lizenz veröffentlichen
> roter link bei Wikipedia bzw. generell bei Wikis: Information, die Anregung und Anweisung für weitere Arbeit enthält
> Wissen teilen in Meetings einer Arbeitsgruppe, Vollversammlungen, E-Mail-Verteiler, Online Plattformen zur Kommunikation (z.B. Wachstumswende  oder federated wikis )

"Gemeinstimmig entscheiden"
Frage: Wie kommen Eure Entscheidungen zustande?

Entscheidungen werden so herbeigeführt, dass sich alle Beteiligten gesehen und gehört fühlen. Im Gegensatz zum Mehrheitsentscheid- keine systematischen Gewinner*innen und Verlierer*innen erzeugt.

Beispiele:
> Kriterien statt Abstimmung: Einigung auf gemeinsame Entscheidungskriterien, auf welche alle Beteiligten zurückgreifen, um individuelle Entscheidungen im Sinne des Ganzen verantwortlich zu treffen (Bsp. Cecosesola )
> Konsent statt Konsens: bei Entscheidungen werden Widerstände/Einwände abgefragt (Zustimmung bedeutet in diesem Falle das Fehlen von Einwänden) --> Je weniger Widerstand, desto mehr langfristige Akzeptanz. Gehörte Einwände werden konstruktiv genutzt, um Vorschläge zu verbessern. (Bsp. Soziokratie 3.0 , Systemisches Konsensieren  )

"Auf Heterarchie bauen"
Frage: Wie sind Organisationsstrukturen aufgebaut? Schützen sie vor Machtmissbrauch?

In Heterarchien verbinden sich gleichrangige (Peer to Peer) mit hierarchischen Organisationsformen. Letztere sind ab einer gewissen Komplexität unverzichtbar. Heterarche Strukturen sind selten starr und nie zweidimensional. Sie bilden ein Beziehungsnetz, das leicht angepasst und restrukturiert werden kann. Dadurch können Selbstwirksamkeit und Autonomie gestärkt, Spaltungen und Bürokratie abgebaut werden.

Beispiel:
> Parkbesetzung von Occupy Wallstreet: Die improvisierte soziale Ordnung wurden nicht von einer zentralen Exekutive geleitet. Stattdessen stellten Aktivist*innen fest, was getan werden musste, und koordinierten dann ihre Initiativen untereinander. Dennoch gab es Zuständigkeitsbereiche und auch (informelle) Hierarchien.

"Beziehungshaftigkeit des Habens verankern"
Frage: Wie sind eure Eigentumsverhältnisse geregelt? Wer ist zur Nutzung befugt?

Beziehungshaftes Haben schreibt vielfältigen Nutzungen und den Beziehungen zu den zur Verfügung stehenden Dingen mehr Bedeutung zu, als der absoluten Verfügung und Macht über etwas. Eigentum kann jenen zugeschrieben werden, die eine Sache nutzen, sich für diese verantwortlich fühlen und Fürsorge tragen. Das heißt es kommt auf den tatsächlichen Gebrauch und nicht auf das Eigentumsrecht an. Es geht darum neue Rechtsformen des Habens zu entwickeln, die von den Beteiligten selbst entschieden und kontrolliert werden können. Dadurch entsteht ein breiteres Spektrum an Beziehungs- und Nutzungsmöglichkeiten als bei konventionellem Eigentum, welches häufig mit Ausschluss, Vermarktlichung aller Sphären und Ressourcenübernutzung einhergeht.

Beispiele:
> Park Slope Food Coop: Für Mitglieder des Selbstorganisierten Supermarktes Park Slope Food Coop fühlt sich das Einkaufen anders an als in einem konventionellen Supermarkt. Das liegt nicht nur daran, dass sie eine Mitglied-Eigentümerschaft eingehen sind sondern dass sie dadurch Beziehungen zu den Menschen und dem Ort aufbauen
> In vielen Gemeinschaftsgärten gilt die Regel für Beete: "use it or loose it".


"Commons und Kommerz auseinanderhalten"
Frage: Wie bewegt Ihr Euch im Spannungsfeld zwischen Verwertungsdruck und Commoning? Und wie schützt ihr Commons davor, dass Geld zu viel Einfluss nimmt?Wenn Geld Einzug in ein Commons erhält, können sich die sozialen Dynamiken verändern. Gewisse Bedürfnisse können jedoch nur über den Markt befriedigt werden. Geld wird also gebraucht. Folglich geht es darum Umgangsformen mit Geld zu finden, welche die Sozialbeziehungen, die Dinge die als wichtig gelten und die langfristigen Ziele eines Commons bewahren.So können sich Menschen eher an ihren eigenen Ideen orientieren, als an den Ansprüchen des Marktes. Es ist hilfreich die Verwendung von Geld innerhalb eines Commons davon zu entkoppeln, wie es generiert wurde. Anstatt also z.B. nur für bestimmte Leistungen oder Produkte Geld einzunehmen, geht es eher darum mit den Einnahmen die Gesamttätigkeiten eines Commons zu ermöglichen.

Beispiele:
> in vielen Gemeinschaftswäldern ist das Sammeln und Schlagen von Ästen oder Bäumen nur für den persönlichen Gebrauch erlaubt, nicht für den Verkauf auf dem Markt> in Fischerei-Commons wird häufig festgelegt, welcher Anteil des Fangs von einzelnen Fischerinnen oder Fischern verkauft werden darf
> Grandhotel Cosmopolis (gemeinsame Finanzierung): Einnahmen werden vor allem über den Hotelbetrieb, die Bar und die Gastro generiert. Abzüglich der direkten Kosten dieser Bereiche (z.B. für Gehälter) werden alle Einnahmen zentral gesammelt. Es wird dann gemeinsam bedürfnisorientiert entschieden, welcher Arbeitsbereich des Hotels welche Gelder benötigt. Dabei werden Bereiche mit und ohne wirtschaftliche Kopplung (z.B. Asylarbeit, Konzept, Presse, Kunst, Personal) gleichrangig betrachtet.

"Commons-Produktion finanzieren"
Frage: Welche Finanzierungsformen nutzt Ihr? Und sind sie selbst Ausdruck des Commoning

Es gibt vielfältige Möglichkeiten, wie Geldflüsse Commons stärken und festigen können, anstatt sie zu schwächen.
1. Commons bzw. die Mitwirkenden können sich selbst unabhängiger von Geldeinkommen machen, indem Wissen und Dinge gemeinsam genutzt, aufgeteilt, umgelegt, bzw. selbst produziert wird.
2. Anstatt auf kommerzielle Dienstleistungen bzw. Waren zurückzugreifen, können Geldflüsse, die innerhalb von Commoning-Netzwerken bleiben, diese Strukturen festigen.
3. Darüber hinaus gilt es, gemeinsame Finanzierungsmodelle zu nutzen, d.h. Geld von Einzelpersonen, der Gemeinschaft und der breiteren Öffentlichkeit zusammenzulegen.
4. Auch neue staatliche Finanzierungsinstrumente können commons-freundliche Räume öffnen und Infrastrukturen schaffen. Dabei darf die kreative Freiheit von Commons nicht eingeschränkt werden.

Beispiele:
> Peer-to-Peer-Carsharing oder Projekte, in denen Werkzeuge gemeinsam genutzt werden, wie z.B. in Offenen Werkstätten sind Formen den Geldbedarf zu reduzieren > Bsp: Crowdfunding von Freiem Wissen: Die Finanzierung durch die Nutzer*innen selbst sichert den Wikimedia-Projekten Unabhängigkeit
> Bedingungsloses Grundeinkommen in Namibia

"Regeleinhaltung commons-intern beobachten &  stufenweise sanktionieren"
Frage: Wie gewährleistet ihr die Einhaltung von Regeln? Wie geht ihr mit Regelübertritten um?

Damit ein Commons langfristig bestehen kann, ist es wichtig, dass die Beteiligten die Regeln befolgen, auf die sie sich geeinigt haben. Wenn Regelverstöße zu internen Konflikten führen, können Sanktionen nötig werden. Bereits die Einigung über geeignete Maßnahmen kann die Regeleinhaltung fördern. Dies erhöht das Fairness-Gefühl bzw. das Vertrauen untereinander. Zentral ist jedoch, dass über die Sanktionen gemeinstimmig entschieden wird und sie nicht von außen verhängt werden. Dabei ist es für den Zusammenhalt hilfreich, wenn Sanktionen "abgestuft" werden. Das heißt, dass die Strafen zunächst gering sind und sich allmählich verschärfen, wenn Nutzer*innen eine Regel mehrfach verletzen.

Beispiele:
> Zanjera-Bewässerungsgemeinschaften, Philippinen: - Maßnahmen der Regeldurchsetzung werden gemieden,da es eine Prüfung der Vertrauenswürdigkeit angehender Mitglieder gibt - Wer dazugehört und Regeln verletzt, wird teilweise suspendiert, im Wiederholungsfalle auch ganz ausgeschlossen
>     PS-Foodcoop: Wer eine Schicht versäumt, darf erst wieder einkaufen, wenn er/sie zwei zusätzliche Schichten geleistet hat